Tori
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Tori

Zuchtgebiet(e)

  • Estland
  • Schweden

Allgemeines zur Pferderasse

Reinrassige Tori-Pferde des alten Schlages (inzwische Alt-Tori Pferde) sind massiv vom Aussterben bedroht. Basierend auf dem Genfond vor 1945 (Verlust der Unabhängigkeit Estlands) existieren nur noch etwa 100 reingezogene Alt-Tori Pferde, von denen leider der größte Teil aus Altersgründen nur noch bedingt in der Zucht eingesetzt werden können. Damit ist das Alt-Tori Pferd eine der seltensten Pferderassen Europas.

Exterieur

Das Alt-Tori Pferd vertritt den Typus des schweren Warmbluts. Ein großer, aber proportional passender Kopf, kräftiger, nicht zu kurzer Hals und eine ausgeprägte Kruppe machen sein Kaliber deutlich. Alt-Tori Pferde sind mit sehr kräftigen Gliedmaßen ausgestattet, haben auffallend feste Hufe und eine gefällige Rückenlinie. Das Stockmaß beträgt 1,62 – 1,68 m, einige deutlich über 1,70m.

Interieur

Das Alt-Tori Pferd wurde wegen seiner hervorragenden Charaktereigenschaften als Offizierspferd der Zaren-Kavallerie eingesetzt und ist sich bis heute treu geblieben: nervenstark, extrem menschenbezogen, klar im Kopf und kooperativ sind Eigenschaften, mit denen das Tori-Pferd sich auszeichnet. Ein ideales Freizeitpferd für praktisch jede Lebenslage.

Zuchtgeschichte

Baltischer Adel hat im Jahre 1856 mit der Zucht des ursprünglichen Tori-Pferdes begonnen – die Ausrichtung war klar: es sollte ein schönes, großrahmiges, nicht zu schweres Pferd geschaffen werden, das sowohl den Klimabedingungen Estlands (Winter bis minus 35 Grad, Sommer bis plus 35 Grad) als auch den Anforderungen eines baltischen Gutes gewachsen ist. Auch sollte das Pferd im wahrsten Sinne eine „gute Figur“ machen, was vor den Kutschen der Güter damals noch eine sehr große Rolle spielte.

Erste Zuchtversuche fanden mit estnischen Kleinpferden („Kleppern“), arabischen Vollblütern, Trakehnern und finnischen Kaltblütern statt. Jedoch erst mit Einführung des Hengstes Hetman Ende des 19. Jahrhunderts fand sich ein „Stempelhengst“. Dieser wurde so intensiv genutzt, daß tatsächlich bis heute alle Alt-Tori Stammbäume auf ihn zurückgehen.

Zu dieser Zeit wurden bereits etwa die Hälfte der Jungpferde im „Remontenalter“ an die Zarenkavallerie verkauft, wo man sie für ihre Robustheit, Trittsicherheit und den hervorragenden Charakter schätzte. Um Inzucht vorzubeugen, wurden um 1910 drei Alt-Oldenburger Hengste eingekreuzt.

Politische Veränderungen, nicht nur der Wegfall der Zarenkavallerie als Hauptabnehmer der Tori-Pferde, sondern auch die neu gegründete Republik Estlands machten ein Umdenken nötig. Nun wurden in den kleinen estnischen Betrieben Pferde gebraucht, die auch bei der Feldarbeit einsetzbar waren. Somit wurden die fünf Postier-Bretonen-Hengste Uhke, Virk, Sammur, Tugev und Loots eingekreuzt. Die estnische Freiheit fand 1941 mit der sowjetischen Okkupation ihr Ende – daher wird der Genofond hiermit als geschlossen betrachtet und nur Pferde ohne später eingekreuzten Fremdblutanteil dürfen Alt-Tori Pferde genannt werden.

Als Estland erneut zur Republik ernannt werden konnte, waren 50 Jahre Sowjetwirtschaft überstanden. Erstaunlicherweise entsprachen die Tori-Pferde noch exakt den Vorgaben der 30er Jahre. Allerdings zweifelte man an ihren Vermarktungsmöglichkeiten und somit wurde die neue Linie, das sog. Sport-Tori-Pferd gegründet. Dieser Typus hat nur noch etwa 1/16 Originalblut vorzuweisen und kann daher dem Estnischen Sportpferd gleichgesetzt werden.

Das Alt-Tori Pferd ist aber noch immer vom Aussterben gefährdet und eine Rarität in Europa.

Quelle(n)

Ute Wohlrab Hargo Talu 68226 Kuigatsi – Estland – E-Mail:ute@hargo-talu.de

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